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Provisional Irish Republican Army
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Die sogenannte Provisional Irish Republican Army (deutsch Provisorische Irisch-Republikanische Armee), in ihrer Eigenbezeichnung einfach nur Irish Republican Army, kurz IRA, oder auch Óglaigh na hÉireann (irisch fĂŒr Freiwillige Irlands) war eine 1969 gegrĂŒndete Organisation in der Republik Irland und dem Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland. In der Republik Irland war sie als irisch-republikanische paramilitĂ€rische Organisation eingestuft, wĂ€hrend sie im Vereinigten Königreich als Terrororganisation eingestuft war.cite-ref-uk-illegal-1-0[1]cite-ref-2[2]

Die IRA verstand sich als die direkte und einzig legitime Fortsetzung der Irish Republican Army (die Armee der Irischen Republik von 1916/1919–1922), die am Osteraufstand 1916 und im Irischen UnabhĂ€ngigkeitskrieg von 1919–1921 fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit Irlands kĂ€mpfte.

Die Provisional IRA wurde zu Beginn des Nordirlandkonflikts zum Jahreswechsel 1969/70 gegrĂŒndet, nach einer politisch-ideologischen Spaltung der Ă€lteren Irish Republican Army, die 1922 nach dem UnabhĂ€ngigkeitskrieg entstanden war und unter anderem im Irischen BĂŒrgerkrieg (1922–1923) gekĂ€mpft hatte.

FĂŒr ihr Hauptziel eines unabhĂ€ngigen, vereinigten Irlands nutzte sie vor allem terroristische Methoden wie Attentate, BombenanschlĂ€ge, Geiselnahmen und RaubĂŒberfĂ€lle, um das politische System und die innere Verfasstheit von Nordirland als integralem Bestandteil des britischen Staatsgebiets zu zerstören. Weitere Ziele waren der Schutz der katholisch-nationalistischen Minderheit vor der protestantisch-unionistischen Bevölkerungsmehrheit und vor den britischen SicherheitskrĂ€ften in Nordirland. Im Verlauf des Nordirlandkonflikts tötete sie dabei ungefĂ€hr 1700 Menschen in Nordirland, Großbritannien, der Republik Irland und auf dem westeuropĂ€ischen Festland.cite-ref-3[3] Auf ihrer Seite wurden etwa 300 Mitglieder getötet.cite-ref-4[4] Politisch unterstĂŒtzt wurde sie von der ihr nahestehenden Partei Sinn FĂ©in und UnterstĂŒtzergruppen im In- und Ausland wie beispielsweise NORAID.

1997 verkĂŒndete die IRA nach fast dreißigjĂ€hrigem Kampf einen endgĂŒltigen Waffenstillstand, ohne ihr Hauptziel der irischen Wiedervereinigung erreicht zu haben, woraufhin am 10. April 1998 das Karfreitagsabkommen von den Konfliktparteien vereinbart wurde. Am 28. Juli 2005, sieben Jahre spĂ€ter, erklĂ€rte die FĂŒhrung der IRA das Ende des bewaffneten Kampfes: „Alle IRA-Einheiten wurden angewiesen, ihre Waffen abzugeben. Alle IRA-Aktivisten wurden instruiert, die Entwicklung von rein politischen und demokratischen Initiativen durch ausschließlich friedliche Mittel zu unterstĂŒtzen. IRA-Aktivisten dĂŒrfen sich an keinen andersgearteten Aktionen beteiligen.“cite-ref-5[5]cite-ref-6[6] Danach folgte ihre komplette Entwaffnung bzw. die Zerstörung ihres gesamten Arsenals und 2007 die Anerkennung der umbenannten nordirischen Polizei PSNI.

IRA-Mitglieder und andere irische Republikaner, die mit dieser Entwicklung nicht einverstanden waren, grĂŒndeten mit der sogenannten Continuity Irish Republican Army und Real Irish Republican Army (seit 2012 New Irish Republican Army) neue militante Gruppen, die bis heute am bewaffneten Kampf und somit an terroristischen Methoden fĂŒr ein vereinigtes Irland festhalten.

Contents

‱ FĂŒhrung
‱ Brigaden
‱ Verweise
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

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GrĂŒndung 1969

Die ursprĂŒngliche IRA versuchte sich nach der erfolglosen Border Campaign der 1950er Jahre neu zu orientieren. Starken Einfluss gewannen nun linksorientierte KrĂ€fte, die der Organisation eine deutlich marxistische PrĂ€gung geben wollten. Statt im bewaffneten Kampf sahen sie die Zukunft in der politischen Auseinandersetzung und der Versöhnung von katholischer und protestantischer Arbeiterschaft. Die auf dramatische Weise eskalierenden Unruhen der 1960er Jahre in Nordirland ĂŒberraschten die IRA; als bewaffnete Bewegung war sie zu dieser Zeit kaum noch existent. Sie stand nun an einem Scheideweg: Sollte man sich der BĂŒrgerrechtsbewegung anschließen und auf politischem Weg fĂŒr die Gleichberechtigung der Katholiken in Nordirland eintreten oder den bewaffneten Kampf gegen die Vorherrschaft von Briten und irischen Unionisten aufnehmen? Viele drĂ€ngten auf gewaltsame Aktionen im Stil eines Guerillakrieges; insbesondere Mitgliedern mit traditionell katholisch-nationalistischem Hintergrund war die marxistische Ideologie der BefĂŒrworter einer politischen Lösung zutiefst suspekt. Zum Bruch fĂŒhrte schließlich die Frage, ob sich Sinn FĂ©in als politische Organisation der Parteiensysteme in Nordirland und in der irischen Republik enthalten solle (abstentionism), die Parteiensysteme wurden von linientreuen Republikanern beide gleichermaßen als illegitim angesehen.

Der eigentliche Anlass war jedoch die passive Haltung der Dubliner IRA-FĂŒhrung wĂ€hrend der nordirischen Unruhen im Sommer 1969. Damals waren katholisch-republikanische Wohnviertel insbesondere in Belfast und Derry von protestantisch-unionistischen Milizen angegriffen worden. Viele Republikaner in Nordirland waren der Meinung, dass die marxistische IRA die katholische Gemeinschaft dabei im Stich gelassen hĂ€tte, da sie die Angriffe auf katholische Straßen und das Abbrennen deren HĂ€user durch Loyalisten nicht verhinderte. Die Traditionalisten und Militaristen beschuldigten die IRA-FĂŒhrung in Dublin, sie hĂ€tte aufgrund ihrer rein politischen Strategie versĂ€umt, Waffen, Planungen oder Personal herbeizuschaffen, um die katholischen Straßen zu verteidigen. Hinzu kam, dass die britische Regierung nun zum Schutz der Katholiken erstmals seit Jahrzehnten Soldaten nach Nordirland entsandt hatte, was die nationalistischen Traditionalisten in der IRA als unertrĂ€gliche Provokation verstanden, die eine gewaltsame Reaktion erfordere. Die Marxisten innerhalb des linken FlĂŒgels der IRA argumentierten hingegen, dass die Spannungen zwischen Protestanten und Katholiken bewusst provoziert worden seien, um Arbeiter beider Konfessionen gegeneinander auszuspielen. Gewalt sei zur Lösung des Nordirlandkonfliktes deshalb nur kontraproduktiv.

Im Dezember 1969 spaltete sich daher die IRA. Der eher nationalistisch gesinnte und gewaltbereitere FlĂŒgel grĂŒndete die Provisional IRA (kurz: Provos), so benannt in Anspielung auf die ErklĂ€rung der provisorischen Regierung des Osteraufstandes 1916. GrĂŒnder waren unter anderem SeĂĄn Mac StĂ­ofĂĄin, RuairĂ­ Ó BrĂĄdaigh, DĂĄithĂ­ Ó Conaill, Joe Cahill, Billy McKee, Seamus Twomey. Ziel und Aufgabe dieser Gruppierung war von Anfang an der bewaffnete Guerillakampf. Der eher politisch orientierte linke FlĂŒgel etablierte die Official IRA, von der sich 1974 eine weitere aktionistisch orientierte Gruppe, die Irish National Liberation Army (INLA) abspaltete. Obwohl es auf der politischen Ebene ebenfalls zu einer Spaltung in Provisional Sinn FĂ©in und Official Sinn FĂ©in (spĂ€ter Sinn FĂ©in Workers Party bzw. nur Workers Party) kam, spielte die Politik in den Aufbaujahren der Provos keine Rolle.

Von Anfang an gab es Fehden zwischen den Provos und der Official IRA, da beide Fraktionen um die Kontrolle der katholisch-nationalistischen Gebiete vor allem in Belfast wetteiferten. Allerdings gewannen die Provos aufgrund ihrer Profilierung als die zuverlÀssigeren Verteidiger der katholischen Gemeinde schnell die Oberhand.cite-ref-7[7]

Die Provisorische IRA wurde von Beginn an durch die Sowjetunion mit Waffen und militĂ€rischer Ausbildung unterstĂŒtzt und in den internationalen „Kampf gegen den Imperialismus“ eingebunden. Die militĂ€rische Ausbildung fand in Kuba und bei der PLO statt. Wie viel Waffenmaterial aus dem Ostblock geliefert wurde, ist nicht bekannt. Allein in den siebziger Jahren wurden rund 1 Million Schuss Munition und 7000 Waffen aus LĂ€ndern des Ostblocks allein in Nordirland beschlagnahmt.cite-ref-8[8]

Organisation

Die IRA ist hierarchisch organisiert. An der Spitze der Organisation steht der IRA-Armeerat (Army Council), dessen Vorsitzender der IRA-Stabschef (Chief of Staff) ist.

FĂŒhrung

Alle Einheiten der IRA sind berechtigt, Delegierte zur IRA General Army Convention (GAC) zu entsenden. Dieses Gremium ist die oberste AutoritĂ€t der Organisation. Vor 1969 trafen sich die GACs regelmĂ€ĂŸig. Wegen der Schwierigkeiten einer illegalen Organisation, ein Treffen so vieler Mitglieder geheim zu halten, gab es seit 1969 insgesamt nur drei Treffen (1970, 1986 und 1997).cite-ref-structure-9-0[9]cite-ref-10[10]

Die GAC wĂ€hlt die aus zwölf Personen bestehende sogenannte IRA Executive – nominell die Regierung der Irischen Republik von 1916. Die Exekutive wiederum wĂ€hlt die sieben Mitglieder, die den IRA Armeerat bilden.cite-ref-structure-9-1[9] Dieser ist die eigentliche Machtzentrale der Organisation, die das politische Vorgehen und die strategischen Grundsatzentscheidungen vorgibt sowie den obersten Kommandanten, den Stabschef, aus ihren Reihen oder auch von außerhalb des Armeerates ernennt.cite-ref-11[11]

Der Stabschef bestimmt dann seinen Stellvertreter, den IRA Adjutant General und besetzt ein Hauptquartier (IRA General Headquarters; auch GHQ), das aus einer Reihe von einzelnen Departments besteht. Diese Departments sind:

‱ IRA Quartermaster General (Quartiermeister)
‱ IRA England Department (Aktionen in England)
‱ IRA Overseas Department (Aktionen in Westeuropa)
‱ IRA Department of Finance (Finanzen)
‱ IRA Department of Engineering (technische Entwicklung)
‱ IRA Department of Training (Ausbildung)
‱ IRA Department of Intelligence (AufklĂ€rung)
‱ IRA Department of Publicity (Öffentlichkeitsarbeit)
‱ IRA Department of Operations (Einsatzleiter)
‱ IRA Department of Security (interner Sicherheitsdienst)

Regionale Kommandostrukturen

Auf regionaler Ebene ist die IRA geteilt in ein Northern Command, das in den neun Grafschaften von Ulster sowie den fĂŒnf sĂŒdirischen Grafschaften an der Grenze operierte, und ein Southern Command, das im Rest von Irland aktiv war. Die Provisional IRA wurde anfangs von einem Armeerat in Dublin kommandiert. Jedoch hat man im Jahr 1977, parallel zur EinfĂŒhrung der Zellenstruktur auf lokaler Ebene, das Kommando ĂŒber die „War-Zone“ (Kriegszone) dem Northern Command ĂŒbertragen. Diese Reorganisation war laut dem Journalisten und Autor Ed Moloney eine Idee von Ivor Bell, Gerry Adams und Brian Keenan.cite-ref-12[12]

Das IRA Southern Command bestand aus der Dublin Brigade und einer Anzahl kleinerer Einheiten in lĂ€ndlichen Gegenden. Diese waren hauptsĂ€chlich mit der Lagerung und Einfuhr von Waffen fĂŒr die nördlichen Einheiten beauftragt sowie mit dem Aufbringen von Geld durch Bankraub oder Ă€hnlichem.cite-ref-ob158-13-0[13] Es gab auch organisierte Einheiten in Großbritannien, Westeuropa und den Vereinigten Staaten.

Brigaden

Die IRA bezeichnet ihre gewöhnlichen Mitglieder als Volunteers oder auf Irisch als óglaigh (Freiwillige). Bis in die spÀten 1970er waren IRA Volunteers in Einheiten organisiert, die auf konventionellen militÀrischen Strukturen basierten. Volunteers, die in einer Gegend lebten, formierten eine Kompanie, die in der Regel Teil eines Bataillons war. Dieses konnte wiederum Teil einer Brigade sein, obwohl viele Bataillone keiner Brigade zugeteilt waren.

FĂŒr die meiste Zeit ihres Bestehens hatte die IRA fĂŒr die von ihr so bezeichnete „Kriegszone“ fĂŒnf Gebiete, in denen es Brigaden gab. Diese Brigaden waren in Belfast, Derry, Tyrone/Monaghan und Armagh „stationiert“.cite-ref-ob158-13-1[13] Die Belfast Brigade hatte drei Bataillone, genauer im Westen, Norden und Osten der Stadt. In den frĂŒhen Jahren des Nordirlandkonfliktes entwickelte sich die IRA in Belfast rapide. Im August 1969 hatte die Belfast Brigade nur 50 aktive Mitglieder. Am Ende des Jahres 1971 hatte sie 1200 Mitglieder; diese verliehen ihr eine große, aber auch schwerer zu kontrollierende Struktur.cite-ref-14[14] Derry City hatte ein Bataillon und das sĂŒdliche County Londonderry ein zweites. Das Derry City Bataillon wurde im Jahr 1972 zur Derry Brigade, da ein rapider Anstieg der Mitglieder nach dem Bloody Sunday zu verzeichnen war (britische FallschirmjĂ€ger töteten 14 unbewaffnete Demonstranten wĂ€hrend eines nicht genehmigten BĂŒrgerrechtsmarsches). Die Grafschaft Armagh hatte drei Bataillone. Es gab zwei sehr aktive Bataillone in South Armagh, die die South Armagh Brigade bildeten, und eine eigenstĂ€ndige weniger wirksame Einheit in North Armagh. Die Tyrone/Monaghan Brigade, die ebenfalls beiderseits der Grenze operierte, und oft nur East Tyrone Brigade genannt wird, kontrollierte hĂ€ufig auch die Einheiten aus der Grafschaft Londonderry und aus North Armagh. Fermanagh, South Down und North Antrim hatten Einheiten, die zu keiner Brigade und keinem Bataillon zugeteilt waren.cite-ref-ob161-15-0[15] Die Kommandostrukturen auf Bataillons- und Kompanieebene waren die gleichen: Beide hatten ihre eigenen Kommandanten, Quartiermeister, sowie Verantwortliche fĂŒr Sprengstoff und AufklĂ€rung. Manchmal gab es auch Verantwortliche fĂŒr Ausbildung oder Finanzen.

In den 1980er Jahren stieg die Anzahl von Informanten in der IRA erheblich an. Besonders betroffen waren die Einheiten in Derry und Belfast. WĂ€hrend die Belfast Brigade in den 1970er Jahren die aktivste der vier Brigaden war, Ă€nderte sich dies in den 1980er und 1990er Jahren. Somit bekamen die lĂ€ndlichen IRA-Einheiten aus East Tyrone und South Armagh eine immer grĂ¶ĂŸere Bedeutung innerhalb der Organisation.

Active Service Units

Im Jahr 1977 schaffte die IRA das große konventionelle militĂ€rische Organisationsprinzip ab, da sie dessen Verwundbarkeit erkannte. Anstelle der Bataillonsstrukturen setzte man nun ausschließlich auf ein System mit zwei parallelen Typen von Einheiten, das in Teilen bereits seit 1974 Anwendung fand. Die alten Kompaniestrukturen wurden fĂŒr Aufgaben wie den Schutz von nationalistischen Gegenden, AufklĂ€rung und zum Verstecken von Waffen eingesetzt. Dieses waren zwar essentielle HilfstĂ€tigkeiten, jedoch wurde der Hauptteil der eigentlichen Attacken nun von einem zweiten Typus von Einheit durchgefĂŒhrt – der Active Service Unit (ASU). Um die Geheimhaltung zu gewĂ€hrleisten, waren die ASUs kleine Zellen mit ĂŒblicherweise fĂŒnf bis acht Mitgliedern, die dann bewaffnete Attacken durchfĂŒhrten. Die Waffen der ASUs wurden von einem Quartiermeister kontrolliert, der unter direkter Kontrolle der IRA-FĂŒhrung stand.cite-ref-16[16] In den spĂ€ten 1980er und frĂŒhen 1990er Jahren schĂ€tzte man, dass die IRA ungefĂ€hr 300 Mitglieder in ASUs hatte und circa 450 weitere in Versorgungseinheiten.cite-ref-ob161-15-1[15]

Die Ausnahme von dieser Reorganisation war die South Armagh Brigade, die ihre traditionelle Hierarchie und Bataillonsstruktur beibehielt und relativ große Anzahlen von Volunteers in ihren Aktionen einsetzte.cite-ref-17[17]

Provisional Fianna

Als Provisional Fianna wird die Jugendorganisation der Provisional Irish Republican Army bezeichnet. Die Fianna, deren Bezeichnung sich vom irischen Fianna fĂŒr Kriegergruppe herleitet, diente in erster Linie der Nachwuchsgewinnung, hatte in den Auseinandersetzungen der 1960er und 1970er Jahre aber auch eine unterstĂŒtzende Funktion fĂŒr die AktivitĂ€ten der IRA.cite-ref-18[18]

Strategie von 1969 bis 1998

„Eskalation, Eskalation, Eskalation“

Die Strategie der Provisional IRA bestand am Anfang des Konflikts aus drei Phasen. In der ersten Phase (1970), wĂ€hrend sich der militĂ€rische Arm im Aufbau befand, konzentrierten sich die Provos auf die Verteidigung der katholisch-nationalistischen Viertel in Nordirland, dann kam 1971 die Phase der „Vergeltung“, in der Polizei und britische Armee zu „legitimen Zielen“ erklĂ€rt wurden. In der dritten Phase gingen die Republikaner dann in der Hoffnung auf ein schnelles Ende auf allen Ebenen in die Offensive. Hierbei war es die Strategie der IRA, so viel Gewalt wie möglich einzusetzen, um einen Zusammenbruch der nordirischen Verwaltung herbeizufĂŒhren, und gleichzeitig den britischen StreitkrĂ€ften so hohe Verluste zuzufĂŒgen, dass die Regierung in London durch die öffentliche Meinung gezwungen sein sollte, sich aus Irland zurĂŒckzuziehen. Diese Strategie wurde von Sean MacStiofain mit den Worten „Eskalation, Eskalation und Eskalation“ beschrieben. Das Vorbild war der Erfolg der Irish Republican Army im irischen UnabhĂ€ngigkeitskrieg von 1919 bis 1921. „Victory 72“ hieß die Parole. Optimismus herrschte auch noch im folgenden Jahr („Victory 73“) und im nĂ€chsten („Victory 74“). Allerdings unterschĂ€tzte diese Politik den starken Willen der Unionisten, innerhalb des Vereinigten Königreichs zu verbleiben, und sie riskierte, dass der bewaffnete Kampf nicht zu einem vereinten Irland fĂŒhren, sondern in einem sektiererischen BĂŒrgerkrieg enden könnte.

Zum Zeitpunkt des irischen UnabhĂ€ngigkeitskrieges in den 1920er Jahren hatten die protestantischen Loyalisten IRA-Aktionen im Norden mit Angriffen auf katholische Nationalisten vergolten. Um diese Vergeltungsmaßnahmen auf die katholisch-nationalistische Gemeinschaft in Zukunft zu vermeiden, hatte die IRA wĂ€hrend der Border Campaign in den 1950er Jahren keine Maßnahmen in stĂ€dtischen Zentren von Nordirland durchgefĂŒhrt. Die Provisional IRA zeigte jedoch keine Hemmungen mehr, eine solche Kampagne durchzufĂŒhren, und nahm die Gefahr der Eskalation und der sektiererischen Gewalt billigend in Kauf. Dies war einer der wichtigsten Unterschiede zwischen den Provos und der Official IRA.

Im Jahr 1972 hielt die britische Regierung geheime GesprĂ€che mit der IRA-FĂŒhrung ab, um zu versuchen, einen Waffenstillstand auf der Grundlage eines Kompromisses in Nordirland durchzusetzen, da nach den Ereignissen des Bloody Sunday die UnterstĂŒtzung fĂŒr die IRA und die daraus folgenden Rekrutierungen stark zunahmen. Die IRA vereinbarte eine vorĂŒbergehende Waffenruhe vom 26. Juni bis 9. Juli. Im Juli 1972 trafen sich die IRA-FĂŒhrer SeĂĄn Mac StĂ­ofĂĄin, DĂĄithĂ­ Ó Conaill, Ivor Bell, Seamus Twomey, Gerry Adams und Martin McGuinness mit einer britischen Delegation unter der Leitung von William Whitelaw. Die FĂŒhrer der IRA weigerten sich jedoch, einer Lösung zuzustimmen, die keine Verpflichtung zum sofortigen RĂŒckzug der britischen Armee (erst in die Kasernen, dann aus Irland) und eine Freilassung von republikanischen Gefangenen beinhaltete. Zudem sollte die irische UnabhĂ€ngigkeit garantiert werden. Die Briten lehnten diese Forderungen ab und brachen die GesprĂ€che ab.cite-ref-19[19]

Éire Nua und die Waffenruhe von 1975

Das oberste Ziel der Provisionals in dieser Zeit war die Abschaffung von Nordirland und der Republik Irland sowie deren Ersetzung durch eine neue föderale gesamtirische Republik mit dezentralen Regierungen und Parlamenten fĂŒr jede der vier historischen Provinzen Irlands. Dieses Programm wurde bekannt als Éire Nua – „Neues Irland“.

Mitte der 1970er Jahre war den meisten Beteiligten klar geworden, dass die Hoffnungen der IRA-FĂŒhrung auf einen schnellen militĂ€rischen Sieg immer unbegrĂŒndeter wurden. Immer mehr KĂ€mpfer und Sympathisanten wurden in Long Kesh und anderen GefĂ€ngnissen und Lagern inhaftiert. Zugleich war das britische MilitĂ€r ebenso unsicher, wann es endlich einen durchschlagenden Erfolg gegen die IRA verzeichnen konnte. Bei geheimen Treffen zwischen den IRA-FĂŒhrern RuairĂ­ Ó BrĂĄdaigh und Billy McKee mit dem britischen StaatssekretĂ€r fĂŒr Nordirland, Merlyn Rees, garantierte die IRA einen Waffenstillstand von Februar 1975 bis Januar des nĂ€chsten Jahres. Die IRA glaubte zunĂ€chst, dies sei der Beginn eines langfristigen Prozesses, der am Ende zum britischen RĂŒckzug fĂŒhren wĂŒrde. Doch kam sie schnell zu dem Schluss, dass Rees versuchte, die Uneinigkeit innerhalb der Bewegung auszunutzen und die Provisionals zu friedlichen Mitteln zu drĂ€ngen, ohne ihnen irgendwelche Garantien zu geben.cite-ref-20[20] Kritiker der IRA-FĂŒhrung, insbesondere die Gruppe um Gerry Adams, waren der Auffassung, dass die Folgen der Waffenruhe fĂŒr die IRA katastrophal waren. Sie beklagten vor allem die Infiltration durch britische Informanten, die Festnahmen von vielen Aktivisten und der Zusammenbruch der Disziplin – letzteres fĂŒhrte zu sektiererischen Morden und einer Fehde mit anderen Republikanern der Official IRA. Die Waffenruhe brach im Januar 1976.cite-ref-21[21]

Der „Lange Krieg“

Danach entwarf die IRA, unter der FĂŒhrung von Adams und seinen AnhĂ€ngern, die neue Strategie des so genannten „Langen Krieges“, die sie fĂŒr den Rest des Nordirlandkonfliktes verfolgte. Es handelte sich dabei um eine Reorganisation der IRA in kleinen Zellen, die die bisherige paramilitĂ€rische Struktur ersetzten. Dies war ein EingestĂ€ndnis, dass die Kampagne noch viele Jahre andauern mĂŒsse und dass die direkte militĂ€rische Konfrontation nun zunehmend durch Terrorismus abgelöst werden wĂŒrde. Zudem entschied man sich fĂŒr eine verstĂ€rkte Betonung der politischen TĂ€tigkeit durch die Partei Sinn FĂ©in. Ein republikanisches Dokument der frĂŒhen 1980er bemerkte dazu, „beide, Sinn FĂ©in und die IRA, spielen unterschiedliche, aber konvergierende Rollen in diesem Krieg der nationalen Befreiung. Die Irish Republican Army fĂŒhrt eine bewaffnete Kampagne
 Sinn FĂ©in unterhĂ€lt die Kriegspropaganda und ist die öffentliche und politische Stimme der Bewegung.“cite-ref-22[22] Die 1977er Ausgabe des Greenbooks, eines Handbuchs, das zur EinfĂŒhrung und Ausbildung neuer Rekruten diente, nennt die wichtigsten Punkte des „Langen Krieges“:

1. Einen ZermĂŒrbungskrieg gegen die feindlichen Truppen der British Army, basierend darauf, so viele TodesfĂ€lle wie möglich zu verursachen, um dadurch öffentlichen Druck bei der [britischen] Bevölkerung in der Heimat zu erzeugen, so dass die Regierung einen RĂŒckzug in ErwĂ€gung zieht.
2. Eine Bombenkampagne, die darauf abzielt, dem Feind sein finanzielles Interesse an unserem Land unrentabel zu gestalten.
3. Die sechs Grafschaften
 unregierbar zu machen, so dass der Feind nur durch eine repressive kolonial-militÀrische Herrschaft regieren kann.
4. Den Krieg aufrechtzuerhalten und UnterstĂŒtzung fĂŒr seine Ziele durch nationale und internationale Propaganda sowie Öffentlichkeitsarbeit zu erreichen.
5. Die Verteidigung des Befreiungskrieges durch die Bestrafung von StraftÀtern, Kollaborateuren und Informanten.cite-ref-23[23]

Hungerstreik und Wahlen

Die IRA-Gefangenen, die nach MĂ€rz 1976 verurteilt wurden, genossen keinen Sonderstatus mehr und wurden im GefĂ€ngnis wie „normale“ Kriminelle behandelt. Als Reaktion weigerten sich ĂŒber 500 HĂ€ftlinge, sich zu waschen oder GefĂ€ngniskleidung zu tragen (schmutziger Protest und Decken-Protest). Diese Proteste gipfelten 1981 in den zweiten Hungerstreik. Dabei hungerten sich sieben IRA- und drei INLA-Mitglieder fĂŒr die Anerkennung des politischen Status zu Tode. Ein Hungerstreikender (Bobby Sands) und der Anti H-Block Aktivist Owen Carron wurden ins britische Parlament gewĂ€hlt und zwei andere Gefangene im Hungerstreik in den irischen DĂĄil. DarĂŒber hinaus gab es in ganz Irland Arbeitsniederlegungen und große Demonstrationen, um MitgefĂŒhl mit den Hungerstreikenden zu bekunden. Mehr als 100.000 Menschen nahmen in Belfast an der Beerdigung von Sands, dem ersten Hungerstreikenden, der starb, teil.

Nach dem Erfolg des IRA-Hungerstreiks bei der Mobilisierung von UnterstĂŒtzung und den gewonnenen Parlamentssitzen investierten die Republikaner nach 1981 zunehmend mehr Zeit und Ressourcen fĂŒr die Wahlen. Dadurch gewann die Partei Sinn FĂ©in immer mehr an Bedeutung innerhalb der republikanischen Bewegung. Danny Morrison fasste diese Politik auf einem Sinn FĂ©in Ard Fheis (jĂ€hrliches Treffen) im gleichen Jahr so zusammen: „mit dem Stimmzettel in der einen und der Armalite in der anderen Hand“.cite-ref-24[24] In den frĂŒhen 1980er Jahren wurde zudem das Éire Nua-Programm durch die Provisionals unter der FĂŒhrung von Gerry Adams fĂŒr das Ziel einer zentralistischen gesamtirischen Republik wieder verworfen.

„TUAS“ – Friedensstrategie

In den 1980er Jahren unternahm die IRA einen Versuch, den Konflikt mit der so genannten „Tet Offensive“ eskalieren zu lassen. Als dies nicht gelang, suchten die republikanischen FĂŒhrer zunehmend nach einem politischen Kompromiss zur Beendigung des Konflikts. Ab 1988 traf sich Gerry Adams regelmĂ€ĂŸig zu GeheimgesprĂ€chen mit John Hume, dem Parteichef der gemĂ€ĂŸigten Social Democratic and Labour Party (SDLP). DarĂŒber hinaus wurden auch geheime GesprĂ€che mit britischen Beamten gefĂŒhrt. Danach versuchte Adams immer stĂ€rker Sinn FĂ©in von der IRA zu distanzieren, indem er behauptete, sie seien eigenstĂ€ndige Organisationen, und weigerte sich IRA-Aktionen zu kommentieren. Innerhalb der republikanischen Bewegung (IRA und Sinn FĂ©in) wurde die neue Strategie mit dem AbkĂŒrzung TUAS beschrieben (d. h. entweder „Tactical Use of Armed Struggle“ (offiziell) oder „Totally Unarmed Strategy“).cite-ref-25[25]

Die IRA verkĂŒndete letztlich 1994 eine unbefristete Waffenruhe unter der Bedingung, dass Sinn FĂ©in in die politischen GesprĂ€che fĂŒr eine Lösung mit einbezogen wird. Als dies nicht geschah, kĂŒndigte die IRA ihre Waffenruhe vom Februar 1996 bis Juli 1997 auf. In dieser Zeit unternahm sie mehrere Bombenattentate und Schießereien. Nach einer erneuten Waffenruhe wurde Sinn FĂ©in wieder in den „Friedensprozess“ mit einbezogen, der schließlich in das Karfreitagsabkommen von 1998 mĂŒndete.

Der wegen Mordes verurteilte, spÀter aber aus der Haft entlassene IRA-Angehörige Seana Walsh veröffentlichte am 28. Juli 2005 ein Video mit einer ErklÀrung der IRA, in der diese das Ende des bewaffneten Kampfes erklÀrte.

„The leadership of [the IRA] has formally ordered an end to the armed campaign. This will take effect from 4pm this afternoon.
All IRA units have been ordered to dump arms. All volunteers have been instructed to assist the development of purely political and democratic programmes through exclusively peaceful means.
Volunteers must not engage in any other activities whatsoever.“cite-ref-dump-26-0[26]

Die IRA rechtfertigte in der ErklÀrung ihren Kampf als notwendig, da es in den 1960er und 1970er Jahren Pogrome gegen Katholiken gegeben habe. Gleichzeitig wurden aber auch die Leiden auf beiden Seiten des Konflikts anerkannt.

Der britische Premierminister Tony Blair bezeichnete die ErklĂ€rung als von „bisher unbekannter GrĂ¶ĂŸe“ und der irische MinisterprĂ€sident Bertie Ahern nannte es eine „riesige und historische Entscheidung“.

Von Seiten der DUP wurde die ErklĂ€rung nicht weiter bewertet, außer mit der Feststellung, dass man eine Einstellung aller „kriminellen AktivitĂ€ten“ vermisse.cite-ref-dump-26-1[26]

Am 22. August 2015 stellte George Hamilton, der Leiter des Police Service of Northern Ireland fest, dass es noch immer eine organisatorische Infrastruktur der IRA gebe. Die Annahme, dass diese sich mit der ErklĂ€rung von 2005 aufgelöst habe, sei falsch. Er erkannte allerdings an, dass sich die Ausrichtung der Gruppe entscheidend geĂ€ndert habe und man allein eine friedliche Politik verfolge. Einzelne Mitglieder der IRA seien aber dennoch in kriminelle AktivitĂ€ten oder Gewaltakte verstrickt, die jedoch aus rein persönlichen Motiven heraus geschehen.cite-ref-27[27] Die britische Nordirland-Ministerin Theresa Villiers rief auf diesem Hintergrund im September 2015 eine neue Überwachungsinstanz fĂŒr die Einhaltung des Waffenstillstands der PIRA ins Leben.cite-ref-28[28]

Beispiele von AnschlÀgen

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Im Zeitraum von 1970 bis 1997 ereigneten sich folgende AnschlÀge (unvollstÀndige Auswahl):


Weitere AktivitÀten

Mit Geldmitteln wurde die IRA hauptsĂ€chlich von einer Organisation aus den USA namens Irish Northern Aid Committee (NORAID) unterstĂŒtzt. Außerdem erhielt sie Hilfe von der PLO in Form von Waffen und Training aus Libyen. Eine SchlĂŒsselrolle bei der Vermittlung libyscher Waffenlieferungen spielte der laisierte Priester Patrick Ryan, der große Lieferungen koordinierte, die etwa 120 Tonnen Waffen nach Irland brachten. Ryan beschaffte zudem ZeitzĂŒnder, die bei verschiedenen Bombenattentaten zum Einsatz kamen, darunter beim Brighton-Anschlag.

Getrennt von ihrer bewaffneten Kampagne war die Provisional IRA auch anderweitig aktiv, wie zum Beispiel im Kampf gegen DrogenkriminalitĂ€t mit der Direct Action Against Drugs Gruppierung, beim „Schutz“ der nationalistischen Gebiete, in denen sie (insbesondere in Teilen von Belfast, Derry und dem lĂ€ndlichen South Armagh) „Steuern“ erhob. Von ihren Gegnern wird diese Praxis als Schutzgelderpressung bezeichnet. Sie ist aber auch legal im Baugewerbe und der Gastronomie tĂ€tig.

Angriffe gegen andere republikanische ParamilitÀrs

Die IRA hatte auch diverse Fehden mit anderen republikanischen paramilitĂ€rischen Gruppen wie der Official IRA in den 1970ern und der Irish People’s Liberation Organisation (IPLO) in den 1990ern.

Joseph O’Connor (26) wurde am 11. Oktober 2000 in Ballymurphy, Westbelfast erschossen. Er war ein fĂŒhrendes Mitglied der Real Irish Republican Army (RIRA). O’Connors Familie und Leute, die mit der RIRA in Verbindung gebracht werden behaupten, dass er von den Provisionals aufgrund einer Fehde der beiden Organisationen ermordet wurde,cite-ref-29[29] doch Sinn FĂ©in dementierte die Anschuldigungen.cite-ref-30[30] Bis heute wurde niemand fĂŒr diesen Mord verurteilt oder auch nur angeklagt.

Geldbeschaffung durch organisierte KriminalitÀt

Die IRA fĂŒhrte wĂ€hrend ihrer ĂŒber 30-jĂ€hrigen Geschichte viele EntfĂŒhrungen sowie ÜberfĂ€lle auf Bank- und Postfilialen nördlich und sĂŒdlich der irischen Grenze durch. WĂ€hrend dieser Aktionen tötete die IRA sechs GardaĂ­ und einen irischen Soldaten.

Laut dem irischen Verteidigungsminister von 2002 bis 2007, Michael McDowell, war die IRA am organisierten Verbrechen auf beiden Seiten der irischen Grenze beteiligt. Dies beinhaltet das Schmuggeln von gefÀlschter Ware, Zigaretten und Dieselkraftstoff.cite-ref-31[31]

Numerische StÀrke

In den frĂŒhen bis mittleren 1970er Jahren könnte die Anzahl der Rekrutierungen der Provisional IRA bei mehreren tausend gelegen haben, doch sie reduzierte sich stark, als die IRA sich 1977 reorganisierte. Ein RUC-Report von 1986 schĂ€tzte, dass die IRA ca. 300 Volunteers in Active Service Units hatte und bis zu 750 aktive Mitglieder in ganz Nordirland.cite-ref-ob161-15-2[15] Diese SchĂ€tzung beinhaltete jedoch nicht die IRA-Einheiten in der Republik Irland oder die in Britannien, Kontinentaleuropa und der ganzen Welt. Im Jahr 2005 sagte der damalige irische Justizminister Michael McDowell dem DĂĄil, dass die Organisation „zwischen 1000 und 1500“ aktive Mitglieder hatte.cite-ref-debates-oireachtas-ie-32-0[32] Laut dem Buch The Provisional IRA (Eamon Mallie und Patrick Bishop), sind in den ersten 20 Jahren ihres Bestehens ungefĂ€hr 8000 Leute der IRA beigetreten, viele von ihnen verließen sie nach einer Haftstrafe, gingen in den „Ruhestand“ oder waren desillusioniert.cite-ref-mb12-33-0[33] Die genaue Zahl derer, die der Organisation beigetreten sind, muss demnach noch höher sein, wenn man diejenigen mitzĂ€hlt, die seit 1988 rekrutiert wurden. In neuerer Zeit wurde die StĂ€rke der IRA etwas geschwĂ€cht, da immer wieder Mitglieder die Organisation verließen, um bei radikalen Splittergruppen wie der Continuity IRA und der Real IRA einzutreten. Laut dem ehemaligen irischen Justizminister Michael McDowell hat jede dieser beiden Organisationen wenig mehr als 150 Mitglieder.cite-ref-debates-oireachtas-ie-32-1[32] Ungeachtet vieler Erfolge der britischen und irischen Sicherheitsdienste der Armee und Polizei bei der Infiltration der IRA, insbesondere ab dem Jahr 2001, glauben die britischen, irischen und amerikanischen Regierungen, dass die IRA eine extrem starke und fĂ€hige terroristische Organisation bleibt.

P. O’Neill

Die IRA benutzt traditionell eine mysteriöse Unterschrift in ihren öffentlichen Bekanntmachungen, die alle unter dem Pseudonym „P. O’Neill“ vom „Irish Republican Publicity Bureau, Dublin“, herausgegeben werden.cite-ref-poneill-34-0[34]

Laut RuairĂ­ Ó BrĂĄdaigh war es SeĂĄn Mac StiofĂĄin als Stabschef der IRA, der den Namen ersann. Der Name wurde so geschrieben bzw. gesprochen, wie es die irische Orthographie und Aussprache vorsieht, also „P. Ó NĂ©ill“. Ó BrĂĄdaigh behauptet auch, dass der Name keine besondere Bedeutung habe. Damit widerspricht er Behauptungen, die den Namen als Referenz an Sir Phelim O’Neill, den exekutierten AnfĂŒhrer der Irischen Rebellion von 1641, ansehen. Nach Danny Morrison wurde das Pseudonym „S. O’Neill“ wĂ€hrend der IRA-Kampagne der 1940er benutzt.cite-ref-poneill-34-1[34]

Opferzahlen

Die IRA hat seit Beginn des Nordirlandkonfliktes mehr Menschen getötet als jede andere Organisation, die an ihm beteiligt war. Jedoch haben Mitglieder der IRA hĂ€ufig bestritten, dass die Organisationen, die wĂ€hrend der „Troubles“ (Unruhen) in Opposition zur IRA standen, separat und unterschiedlich waren. In den republikanischen Analysen des Konfliktes reprĂ€sentierten Organisationen wie das Ulster Defence Regiment (UDR), die British Army und RUC zusammen mit der UVF und UDA eine Allianz aus Staat und ParamilitĂ€rs. Somit mĂŒsse man deren Anzahl von „Morden“ zusammenrechnen.cite-ref-35[35]

Zwei sehr detaillierte Studien ĂŒber die gewaltsamen TodesfĂ€lle wĂ€hrend des Nordirlandkonflikts, das CAIN Projekt von der University of Ulster und Lost Lives,cite-ref-36[36] weichen bei der Anzahl der Getöteten durch die Provisional IRA leicht voneinander ab, doch ergeben sie beide ca. 1.800 Todesopfer. Von diesen waren etwa 1.100 Mitglieder der SicherheitskrĂ€fte – British Army, Royal Ulster Constabulary und Ulster Defence Regiment. Zwischen 600 und 650 waren Zivilisten. Der Rest sind entweder loyalistische oder republikanische ParamilitĂ€rs (einschließlich ĂŒber 100 IRA-Mitglieder, die sich aus Versehen mit ihren eigenen Bomben in die Luft sprengten).

Bis heute noch nicht vollstĂ€ndig aufgeklĂ€rt ist das Schicksal der sogenannten „Verschwundenen“ („The Disappeared“, nahezu ausnahmslos Katholiken), die von der IRA entfĂŒhrt, ermordet und zunĂ€chst an unbekanntem Ort begraben wurden.

Es wird außerdem geschĂ€tzt, dass die IRA wĂ€hrend des Konfliktes 6.000 Mann der British Army, UDR und RUC sowie bis zu 14.000 Zivilisten verletzte.cite-ref-37[37]

Die IRA verlor etwas weniger als 300 Volunteers in den Troubles.cite-ref-38[38] Dazu kommen noch ungefÀhr 50 bis 60 getötete Mitglieder von Sinn Féin.cite-ref-39[39]

Weit ĂŒblicher als die Tötung von IRA-Volunteers war ihre Festnahme. Die Journalisten Eamonn Mallie und Patrick Bishop schĂ€tzen in ihrem Buch The Provisional IRA, dass sich Mitte der 1980er zwischen acht- und zehntausend Mitglieder der Organisation im GefĂ€ngnis befanden. Das ist eine Zahl, die sie auch fĂŒr alle ehemaligen und damaligen IRA-Mitglieder angeben, die bis dahin jemals in der IRA waren.cite-ref-mb12-33-1[33]

Verweise

Siehe auch

‱ Siehe fĂŒr die Vorgeschichte den allgemeinen Artikel zur Geschichte der Irisch-Republikanischen Armee.
‱ SAS (Special Air Service, eine britische Spezialeinheit)
‱ Long Kesh

Literatur

‱ Martin Dillon: 25 Years of Terror – the IRA’s War against the British.
‱ Richard English: Armed Struggle. A History of the IRA. MacMillan, London 2003, ISBN 1-4050-0108-9.
‱ Peter Taylor: Provos - the IRA and Sinn FĂ©in.
‱ Ed Moloney: The Secret History of the IRA. Penguin, London 2002.
‱ Eamonn Mallie und Patrick Bishop: The Provisional IRA. Corgi, London 1988, ISBN 0-552-13337-X.
‱ Toby Harnden: Bandit Country – The IRA and South Armagh. Hodder & Stoughton, London 1999, ISBN 0-340-71736-X.
‱ Brendan O’Brien: The Long War – The IRA and Sinn FĂ©in. O’Brien Press, Dublin 1995, ISBN 0-86278-359-3.
‱ Tim Pat Coogan: The Troubles.
‱ Tim Pat Coogan: The IRA: A History. 1994.
‱ Tony Geraghty: The Irish War.
‱ David McKitrick, Seamus Kelters, Brian Feeney, Chris Thornton, David McVea: Lost Lives.
‱ J Bowyer Bell: The Secret Army – The IRA. 3. Auflage, 1997, ISBN 1-85371-813-0.
‱ Christopher Andrews: The Mitrokhin Archive (auch als The Sword and the Shield veröffentlicht).

Weblinks

Commons

: Provisional Irish Republican Army

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ CAIN (Conflict Archive Internet) Archive of IRA statements
‱ FAS Intelligence Resource Program – Irish Republican Army (IRA)
‱ Terrorism: Q & A Irish Republican Army
‱ Behind The Mask: The IRA & Sinn Fein PBS Frontline Dokumentation zum Thema.
‱ Langes Interview mit Martin Ingram, in dem er seine FRU TĂ€tigkeiten beschreibt auf Radio Free Eireann (Achtung, das Interview beginnt nach 25 Minuten.)

Einzelnachweise

cite-note-uk-illegal-11. ↑ Home Office – Proscribed Terror Groups (Memento vom 18. MĂ€rz 2009 im Internet Archive) – Home Office Website, aufgerufen am 11. Mai 2007
cite-note-22. ↑ McDowell insists IRA will remain illegal. RTÉ, 28. August 2005, abgerufen am 18. Mai 2007.
cite-note-33. ↑ Sutton data base of deaths: Organisation Responsible for the death. Ulster University, abgerufen am 2. Oktober 2019.
cite-note-44. ↑ Sutton data base of deaths: Status of the person killed. Ulster University, abgerufen am 2. Oktober 2019.
cite-note-55. ↑ Full text: IRA statement. The Guardian, 28. Juli 2005, abgerufen am 17. MĂ€rz 2007.
cite-note-66. ↑ Kevin Cullen: Among IRA veterans, quiet acceptance of peace declaration. The Boston Globe, 31. Juli 2005, abgerufen am 24. Oktober 2007.
cite-note-77. ↑ Provos The IRA & Sinn FĂ©in, S. 77–78
cite-note-88. ↑ Bernd Stöver: Der Kalte Krieg. Geschichte eines radikalen Zeitalter 1947-1991. MĂŒnchen 2017, S. 241.
cite-note-structure-99. ↑ Brendan O’Brien: The Long War: The IRA and Sinn FĂ©in. O’Brien Press, 1999, ISBN 0-86278-606-1, S. 158.
cite-note-1010. ↑ English, S. 114–115.
cite-note-1111. ↑ English, S. 43.
cite-note-1212. ↑ Moloney, S. 155–160.
cite-note-ob158-1313. ↑ O’Brien S. 158.
cite-note-1414. ↑ Moloney, S. 103.
cite-note-ob161-1515. ↑ O’Brien S. 161.
cite-note-1616. ↑ Bowyer Bell, S. 437.
cite-note-1717. ↑ Moloney, S. 377.
cite-note-1818. ↑ Conlon, Gerry (1990): Im Namen des Vaters, Bastei LĂŒbbe Taschenbuch, S. 58 ff.
cite-note-1919. ↑ Taylor S. 139.
cite-note-2020. ↑ Peter Taylor: Brits. Bloomsbury Publishing, 2001, ISBN 0-7475-5806-X, S. 184–185.
cite-note-2121. ↑ Taylor, S. 156.
cite-note-2222. ↑ O’Brien S. 128.
cite-note-2323. ↑ Zitiert aus O’Brien S. 23.
cite-note-2424. ↑ O’Brien S. 127.
cite-note-2525. ↑ Moloney, S. 432.
cite-note-dump-2626. ↑ IRA orders end to armed campaign in: The Guardian, 28. Juli 2005, abgerufen am 23. August 2015 „Die FĂŒhrung [der IRA] hat befohlen den bewaffneten Kampf zu beenden. Dieser Befehl tritt heute nachmittag um 4 Uhr in Kraft. Allen Einheiten der IRA wird befohlen, die Waffen niederzulegen. Alle Freiwillige sind angewiesen worden der Entwicklung eines rein politischen und demokratischen Programms mit ausschließlich friedlichen Mitteln zu unterstĂŒtzen.Die Freiwilligen dĂŒrfen an keinen anderen AktivitĂ€ten welcher Art auch immer teilnehmen.“
cite-note-2727. ↑ PSNI: Provisional IRA leadership did not sanction Kevin McGuigan murder in: The Guardian, 22. August 2015, abgerufen am 23. August 2015
cite-note-2828. ↑ Henry McDonald: Government creates Northern Ireland ceasefire monitor after IRA claims. The Guardian, 18. September 2015, abgerufen am 18. September 2015 (englisch): „Villiers said: ‘I am announcing today that the government has commissioned a factual assessment from the UK security agencies and the PSNI (Police Service of Northern Ireland) on the structure, role and purpose of paramilitary organisations in Northern Ireland.’“
cite-note-2929. ↑ Controversy over republican's murder. BBC, 17. Oktober 2000, abgerufen am 17. MĂ€rz 2007.
cite-note-3030. ↑ IRA denies murdering dissident. BBC, 18. Oktober 2000, abgerufen am 17. MĂ€rz 2007.
cite-note-3131. ↑ Barry O'Kelly: McDowell takes stock. The Sunday Business Post, 18. Januar 2004, archiviert vom Original am 29. September 2007; abgerufen am 9. MĂ€rz 2007.
cite-note-debates-oireachtas-ie-3232. ↑ debates.oireachtas.ie, Vol. 605 No. 1 vom 23. Juni 2005
cite-note-mb12-3333. ↑ Mallie, Bishop S. 12.
cite-note-poneill-3434. ↑ Who is P O’Neill? – BBC News Artikel, 22. September 2005.
cite-note-3535. ↑ Diese Anschuldigungen waren besonders weit verbreitet nach dem Miami Showband Massaker, der Shoot-to-kill-Politik in Nordirland wĂ€hrend der 1980er Jahre, der Ermordung von Pat Finucane und der Brian Nelson/Force Research Unit Kontroverse. Nach diesen Episoden behaupteten Republikaner, dass es ein personelles Überlappen zwischen loyalistischen ParamilitĂ€rs und Einheiten der britischen Sicherheitsdienste gĂ€be.
cite-note-3636. ↑ Lost Lives (2004. Ed David McKitrick, Seamus Kelters, Brian Feeney, Chris Thornton, David McVea)
cite-note-3737. ↑ O’Brien S. 135.
cite-note-3838. ↑ Lost Lives S. 1531.
cite-note-3939. ↑ Zitiert aus O’Brien, Long War S. 26.